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400 Jugendliche diskutieren in Dornbirn über Zivilcourage und Demokratie mit Matthias Melster

Der 47-jährige Matthias Melster wurde aufgrund seiner gescheiterten Flucht aus der DDR im Jahr 1987 in das berüchtigte Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen transportiert und erlebte dort die nachhaltigen Auswirkungen des totalitären Systems der DDR.

In der Vortragsreihe von 03.06 - 06.06.2013 an verschiedenen Dornbirner Schulen und Institutionen wurden ca. 400 Jugendlichen Begriffe wie Freiheit und Unfreiheit, Mut und Angst oder Leichtsinn, Engagement und Gleichgültigkeit sowie Demokratie und Totalitarismus an Hand der Erinnerungen von Matthias Melster erläutert. Als Zielgruppen wurden sehr bewusst Schüler unterschiedlichster familiärer wie sozialer Herkunft gewählt. So wurde den Jugendlichen ersichtlich gemacht, dass Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein Privileg.

Aus der Biografie von Matthias Melster - ein Zeitzeuge des totalitären Systems der DDR
Matthias Melster wurde 1966 in Ost-Berlin geboren. Mit 14 Jahren bekam er erstmals Schwierigkeiten in der DDR, weil er einen verbotenen Aufnäher mit der Aufschrift "Schwerter zu Pflugscharen" am Ärmel trug. Er wurde auf eine Polizeiwache gebracht, wo er den Aufnäher abtrennen musste. Außerdem wurde er vor den Schuldirektor zu einem Disziplinargespräch zitiert. Obwohl er der Zweitbeste seiner Klasse war, durfte er in der DDR kein Abitur machen. Seinen Wunsch, Medizin zu studieren, konnte er deshalb nicht verwirklichen. Stattdessen machte er eine Ausbildung als Zahntechniker. Aus pazifistischer Überzeugung lehnte er jedoch das so genannte Sportschießen ab, das Teil der obligatorischen vormilitärischen Ausbildung war, wodurch er erneut in Schwierigkeiten geriet. Melster stellte schließlich einen Antrag auf Ausreise in die Bundesrepublik, wodurch der Druck auf ihn weiter zunahm. Mehrmals bestellte man ihn zu Gesprächen mit Offizieren des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), die ihn zu seinen Ausreisegründen vernahmen. Nach drei abgelehnten Ausreiseanträgen beschloss er im Frühjahr 1987, mit der besten Freundin seiner Freundin, die beide Susanne heißen, über die Tschechoslowakei aus der DDR zu fliehen. Die Flucht misslang und beide wurden im April 1987 verhaftet. Nach 14-tägiger Haft in tschechischen Gefängnissen kam Melster in die zentrale Untersuchungshaftanstalt des MfS nach Berlin-Hohenschönhausen, wo er fünf Monate lang verhört wurde. Ein DDR-Gericht verurteilte den 21-jährigen wegen "ungesetzlichem Grenzübertritts" zu einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis. Matthias Melster ist Vertreter einer Einstellung, die in unserer Zeit oft vermisst wird: Er war sich bewusst, dass sein Tun und Handeln Schwierigkeiten für ihn persönlich und seine Familie verursachen würde. Trotzdem konnte er nicht anders, als seinem Gewissen zu folgen und zu seiner Grundhaltung zu stehen.

Linktipps:
Matthias Melster 2013 in Dornbirn
Website Matthias Melster
Film „Der irrationale Rest" – Dokumentarfilm über Matthias Melster (in der Stadtbücherei Dornbirn entlehnbar)

Factbox:
Eine Veranstaltung der Jugendabteilung der Stadt Dornbirn in Kooperation mit der Polytechnischen Schule Dornbirn, dem Bundesgymnasium Dornbirn, BRG Schoren, dem Verein „Jugendornbirn – meine Stimme zählt!", den Dornbirner Jugendwerkstätten, Offene Jugendarbeit Dornbirn und der FH-Vorarlberg

Magdalena Ortner, 19 Jahre, BORG Schoren - Einmal von dieser Zeit aus der Sicht von so einem „Rebellen" zu hören, ist wirklich sehr interessant. Ich fand es krass, was er da alles erlebt hat und man hat nun einen besseren Eindruck von der damaligen Zeit bekommen.

Laura Rein, 18 Jahre, BORG Schoren - Mich hat fasziniert, dass er so offen über seine Erlebnisse gesprochen hat, obwohl ihn das psychisch immer noch zu schaffen macht, und dann auch noch vor so vielen Leuten steht. Das kann nicht jeder und ich weiß das sehr zu schätzen.

Philipp Hadler, 16 Jahre, BORG Schoren:
Matthias Melster hat meinen Respekt verdient, da er sich gegen dieses mächtige politische System aufgelenhnt hat und sich niemals unterbringen lies. Und dass er jetzt auch noch über seine Vergangenheit spricht finde ich sehr stark.

Sarah Aberer, 16 Jahre, BORG Schoren:
Ich hätte nie gedacht, dass es vor gar nicht so langer Zeit diese Umstände herrschten. Wir haben das zwar in Geschichte durchgemacht, das hat mich aber ehrlich gesagt kaum interessiert. Wenn ich diese Geschichten nun aber aus seiner Perspektive höre, weckt das gleich meine Neugierde.

Mira Lena Jutz, 16 Jahre, BORG Schoren:
Für mich war das wirklich ein bewegender Vortrag. Es ist bewundernswert, wie er damals seine Meinungen und Werte vertreten hat und seine Geschichten heute so super rübergebracht hat. Ich denke wir haben alle etwas mitgenommen!

Elias Hekh, 16 Jahre, BG Dornbirn:
Es hat mich wirklich beeindruckt, was Matthias Melster alles in seinen jungen Jahren erlebt hat und hätte nicht gedacht, dass damals solche Zustände herrschten. Deshalb bin ich froh, dass das heutzutage nicht mehr so ist.

Lisa Marie Albrecht, 17 Jahre, BG Dornbirn:
Die Tatasache, dass der Erzähler das alles selbst miterlebt hat, macht die ganze Geschichte noch viel erstaunlicher. Seine Art zu Erzählen fesselt einen wirklich!

Lena Schwärzler, 17 Jahre, BG Dornbirn:
Ich habe zwar schon viele Geschichten über die DDR und die Mauer gehört, aber noch nie aus dieser Perspektive. Daher war der Vortrag für mich gleich noch interessanter.

Martina Alge, 17 Jahre, Fachschule für wirtschaftliche Berufe:
Ich hätte nie gedacht, dass es damals jemanden so schlimm treffen konnte und finde es mutig, dass Matthias Melster so offen von seinen Geschichten erzählt.

Shannen Mark, 15 Jahre, Fachschule für wirtschaftliche Berufe:
Den Vortrag fand ich sehr interessant und hörenswert – man bekommt einen Einblick, wie das zu dieser Zeit mal gewesen ist, was ziemlich wertvoll ist.

Nelly Thurnher, 16 Jahre, Fachschule für wirtschaftliche Berufe:
Die Geschichten von Matthias Melster waren wirklich informativ, ich habe nun ein besseres Bild von der damaligen Zeit.

Berrak Aksu, 15 Jahre, PTS:
Er hat das alles wirklich super erklärt, man hatte wirklich ein Bild vor Augen und konnte sich alles gut vorstellen. Umso erstaunlicher ist es für mich, dass man diese psychische Folter überleben kann.

Ayse Göksu, 15 Jahre, PTS:
Der Vortrag war für mich sehr informativ und packend. Matthias Melster hat seine Geschichten wirklich spannend erzählt und uns einen besseren Einblick in diese Zeit gegeben.

Miriam Nachbaur, 31 Jahre, OJAD:
Es war spannend, diese Geschichten von jemandem zu hören, der das alles erlebt hat und auch mit ihm verschiedene Fragen zu diskutieren zu dürfen. Matthias Melster ist ein unglaublich guter Erzähler und ich bin froh, dass ich dabei war.

Jasmine Etter, 25 Jahre:
Ein paar Bekannte von mir haben ebenfalls in der DDR gelebt und die Erzählungen von dieser Zeit sind wirklich sehr unterschiedlich. Die Lebensumstände werden ganz anders wahrgenommen, je nach dem ob man für oder gegen die Partei war. Es ist vor allem wichtig, dass junge Leute das hören, da dass alles jederzeit wieder passieren kann.

Fabian Decker, 19 Jahre:
Es ist erschrecken, dass es vor gar nicht allzulanger Zeit tatsächlich so zugegangen ist und ich fand es auch interessant, dass wir doch alle daran arbeiten müssen, dass es nicht mehr zu solchen Zuständen kommt.

Sandro Isele, 20 Jahre, DJW:
Es war eine besondere Erfahrung, von ihm diese Geschichte zu hören. Für mich ist es wichtig, dass vor allem junge Leute diese Geschichte hören.

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